Noch zwei Monate - Gedanken zur Ausbildung

Und weiter schleicht die Zeit. Ich habe das Gefühl, als ob ich schon seit Jahren nix mehr mit Pferden zu tun gehabt hätte und ich bin sicher, bis Primeli kommt weiss ich nicht mal mehr wie man ein Pferd richtig aufhalftert. Was ist überhaupt ein Halfter und an welches Ende des Pferdes kommt das Ding? Ich glaube, ich krame mal besser meine Bücher aus Kindertagen wieder aus. „Pferdelexikon von A-Z“, „Wie verdient man sich die Sporen“ und wie sie alle heissen. Ja, da kommen Erinnerungen hoch. Klein Sandra mit Buch vor der Nase und dem festen Vorsatz bei der nächsten Reitstunde das ganze theoretische Wissen in die Praxis umzusetzen, nur um dann zu merken dass das Reitschulpferd wohl das Buch nicht gelesen hat.

Wie ist das eigentlich mit dem Reiten. Verlernt man das auch nie wie das Fahrradfahren? Spätestens im nächsten Sommer wenn Primeli dann endlich geritten werden kann, werde ich es wissen. Bis dahin werde ich fast ein Jahr nicht mehr auf dem Pferd gesessen haben. Ich sehe es schon vor mir: Ein unkoordinierter Mehlsack der verzweifelt versuch die durch Höhenangst verursachte Panikattacken niederzuringen. Nur nix anmerken lassen, wäre ja peinlich sonst.

Ich glaube ich ordere schon mal einen Notfallvorrat an Valium-Tabletten für meine Trainerin. So ein Ausbilderleben wäre doch um einiges einfacher wenn man sich nur mit dem Pferd und nicht auch noch mit den Besitzer rumschlagen müsste. Das „dumme“ Tier Pferd lernt eine Übung nach 2 oder 3 Wiederholungen und der doofe Mensch braucht dann gefühlte Jahrzehnte um das ganze umzusetzen. Soviel zur vielzitierten geistigen Überlegenheit des Menschen.

Manchmal habe ich Mäuschen gespielt und bei Reitstunden von Stallkollegen zugeguckt. Die wichtigste Lektion die ich dabei gelernt habe: ich zahle viel Geld für diese Trainer, es macht somit keinen Sinn ihnen dauernd verklickern zu wollen warum das nicht stimmt was sie sagen. Des Öfteren habe ich erlebt, dass Pferdebesitzer im Stallgang in den höchsten Tönen von DEM Reitlehrer geschwärmt haben. Nur er kann wirklich unterrichten, nur er versteht die Pferde richtig und nur er kann mit dem ach so schwierigen, sensiblen, starken, dominanten usw. Pferd umgehen. Wenn sie dann eine der heiss begehrten Reitstunden haben, wird in der Halle sinnlos rumdiskutiert. „Nein, bei meinem Pferd kann ich nicht mit Impulsen reiten, der versteht das nicht“. „Kann ja sein dass die meisten Pferde auf positive Verstärkung reagieren, mein Büffel ist da aber anders“, „ich bin nicht so beweglich in den Hüften, das muss er auch so können“, „wie ich knicke ein, stimmt doch gar nicht das Pferd ist schief!“…. Da wird ein Grossteil der Zeit der teuren Reitstunde darauf verwendet zu diskutieren und zu erklären warum das so nicht geht anstatt einfach mal zu probieren was der noch vor kurzem ach so überragende Reitlehrer vorgeschlagen hat. Das sind dann die Momente wo ich ganz fest auf die Zunge beissen muss (das Ding hat bestimmt bereits Hornhaut gebildet von der ganzen Beisserei).

Somit gelobe ich hier und jetzt: ich werde meiner Trainerin freie Hand lassen und solange mein Pferd nicht ernsthaft gefährdet wird, werde ich die Schnauze halten und lernen. Mein teuer erarbeitetes Geld soll so effektiv und für Primeli gewinnbringend in die Ausbildung fliessen wie nur möglich. Aus ganz egoistischen und wirtschaftlichen Gründen sehe ich keinen Sinn darin jemanden zu bezahlen von dem ich denke sie versteht weniger von Pferden als ich. Also lasse ich sie auch die Arbeit machen für die ich sie engagiert habe. Ich habe schliesslich die DIE Trainerin ausgesucht und nur sie kann wirklich unterrichten, nur sie versteht die Pferde richtig nur sie…. Ups ;-)


Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Marlen (Montag, 16 November 2015 12:58)

    Toll gschriebe.Zuletzt kommt es drauf an ,was dem Pferd gefällt.Sind die Ohren locker,schleckt das Pferd wenn man es lobt oder schlägt es mit dem Schweif,wenn man es reitet? und und und