Manchmal kommt es anders....

 

Mit der Ankunft von Supreme sollte eine für mich glückliche Zeit beginnen. Wie schön habe ich mir die ersten Wochen und Monate mit ihm ausgemalt. Eine rosarote Wendy-Welt habe ich mir zusammen geträumt und ich war sicher dass alles so verlaufen würde wie von mir geplant. Gott war ich naiv! Aber wie heisst es so schön: Erstens kommt es anders und Zweitens als man denkt.

 

Ankunft:
Aufgeregt warteten wir auf die Ankunft des Transporters. Der Fahrer hatte sich 30 Minuten zuvor gemeldet und durchgegeben, dass er in ca. einer halben Stunde da sein würde. Die Zeit schlich dahin, mein Puls war auf 180 und ich konnte kaum mehr still stehen. 35min, 40 und dann 50 warteten wir. Plötzlich ein Klingeln. Meine Vermieter.. Sollte ich abheben? Ja, es könnte etwas mit den Katzen nicht in Ordnung sein. „Hi Sandra, du hier steht ein grosser Transporter der dein Pferd ausladen möchte. Ich glaube der ist hier falsch, oder?“. Na super! Obwohl ich (nachweislich) 3x die korrekte Adresse durchgegeben hatte wo das Pferd hinkommen muss, haben sie ihn zu mir nach Hause geliefert. Leider kann ich ihn nicht ins Wohnzimmer stellen, also flugs die richtige Adresse durchgegeben und auf ein erneutes Warten eingestellt. Dann endlich, nach weiteren 60 Minuten war er da. Mein Supreme, mein lang herbeigesehnter, neuer grosser Freund. Ich war überglücklich, wahnsinnig stolz und einfach nur happy. Dass er sehr nervös und ängstlich wirkte, machte mich da noch nicht stutzig...

 

Erster/Zweiter Tag:
Er lässt sich nicht mal das Halfter abziehen, schlägt gezielt nach dem Menschen aus. Die Stallbesitzerin kann so nicht mit ihm umgehen, er muss so schnell wie möglich weg. Dann stehst du da und denkst: „Warum ich? Warum immer ich?“ In England konnte ich problemlos mit ihm umgehen. Führen, Beine heben, Rücken und Beine abstreichen waren kein Problem. Offenbar war die lange Zeit nur auf der Weide in Kombination mit dem Transport für sein äusserst sensibles Wesen zu viel. Er hatte panische Angst vor Menschen und reagierte entsprechend. Meine schöne Wendy-Welt begann nicht nur zu bröckeln, sie wurde brutal mit dem Bulldozer eingerissen.

 

Dritter Tag bis heute:
Supreme wechselte zu Berni Zambail, die beste Entscheidung meines Lebens. Dort lernt er nun dass der Mensch zwar aussieht wie ein Raubtier, so riecht und sich so verhält, aber dass man diesem Raubtier vertrauen darf. Die ersten zwei Wochen waren sehr intensiv und ich war manches Mal nahe dran ihn zu verkaufen. Das hätte ich wohl auch getan wen ich nicht gewusst hätte, dass er im damaligen Zustand gefährlich für den potentiellen Käufer werden würde. Das konnte ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren und so verblieb er bei Berni. Jetzt nach etwas mehr als einem Monat hat Berni bereits ein anderes Pferd aus Supreme gemacht. Er gibt die Hufe, lässt sich putzen, ist neugierig und nimmt sogar schon den einen oder anderen Apfelschnitz aus der Hand. Leider kann ich selber aber nach wie vor nichts mit ihm machen. Einerseits steht er zu weit weg (90min. Fahrt) und andererseits bin ich noch zu unsicher im Umgang mit ihm.

 

Wie weiter:
Bis Ende April bleibt er noch bei Berni. Danach wird er zu Daniela Mosimann von Cavallarte wechseln. Dort wird aus dem hübschen, sensiblen Angsthase ein Reitpferd. Daniela wird viel Geduld benötigen, mehr allerdings mit mir als mit Supreme. Ihre Aufgabe wird es sein nicht nur Supreme Vertrauen zu schenken, sondern auch mir den Weg zu ihm zu ebnen. Es liegt an mir dafür zu sorgen dass Supreme und ich ein Team werden.

 

Schweren Herzens habe ich also von meinem Wendy-Traum Abschied genommen, bin von meiner rosa-Pferde-Wolke runter gestiegen welche mir Drifter die letzten Jahre bereitet hatte. Die Realität hat mich wieder. Trotz dem ganzen Frust, den finanziellen Einbussen (so eine Resozialisierung ist schweine teuer!) und der Tatsache dass ich nur auf dem Papier Besitzerin eines Pferdes bin, bin ich zuversichtlich was die Zukunft anbelangt. Ich bin sicher dass wir jetzt auf einem guten Weg sind und sobald Supreme bei Daniela ist, kann ich ihn auch mehr sehen und besuchen. Mein Neustart in Sachen „Pferd“ verzögert somit noch etwas, aber was sind schon ein paar Monate im Vergleich zu den vielen Jahren die (hoffentlich) noch folgen werden?

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Moreno (Freitag, 04 März 2016 21:39)

    Primeli kann ruhig länger bei und bleiben :) er ruft immer meinem Pferd wenn wir um die Ecke biegen. Ich verstehe dich und deine Gedanken zur Resozialisierung

  • #2

    Lori (Freitag, 11 März 2016 20:20)

    Das tut einem richtig weh zu lesen. Als ich "damals" gelesen habe, dass du ihn auf Grund der Kontingentknappheit noch dort lässt, kamen mir gleich diverse Geschichten in den Sinn. Leider ist es ja wirklich so, dass die Tiere, sobald sie verkauft sind, mehr oder weniger verwahrlosen.
    Ich finde es sehr bewundernswert, wie nüchtern du die ganze Sache anschauen kannst und auch, dass du dir eingesteht, dass du noch nicht "bereit" bist, selber mit Prime zu arbeiten. (Ich kann ihn beim besten Willen nicht bei seinem "li-Spitznamen" nennen, den grossen, imposanten Shire-Herrn ;))
    Ich wünsche euch alles erdenklich gut für die Zukunft und denke ihr habt tolle, kompetente Hilfe zur Seite.