Gedanken zur Zukunft, Erinnerungen an die Vergangenheit

 

Noch einen Monat und Supreme wird bei Daniela einziehen und dann beginnt so langsam seine Karriere zum Reitpferd. Die Zeit welche er bei Berni noch verbleibt werde ich nutzen um an meinen eigenen Defiziten zu arbeiten. Die Erkennung, dass ich und nicht Supreme das Problem sein werde in Zukunft, war nicht ganz einfach und kratzte auch etwas am eigenen Ego. Trotzdem war es nötig absolut ehrlich zu mir selber zu sein. Berni und sein Team haben so wunderbare Arbeit geleistet, Daniela, da bin ich mir sicher, wird ein ganz tolles und sensibles Reitpferd aus ihm machen. Da wäre es doch einfach nur schlimm wen ich wie die Axt im Walde die ganze Arbeit mit meinem Unwissen und meiner Unsicherheit wieder zerstören würde. Ausserdem hätte das Supreme auch nicht verdient.

 

Also nehme ich jetzt Parelli-Stunden. Ich werde mit Begriffen wie „Horsenality“ oder „Right BRAIN INTROVERT“, „emotionale Fitness“ und was es noch alles gibt konfrontiert. Ich muss sehr viel neu lernen, muss im Kopf ein Reset durchführen und mich selber den neuen Ideen öffnen. Nicht ganz einfach nach 30 Jahren in welchen ich das Hobby Pferd schon ausübe. Ausserdem werde ich mit meinen Ängsten konfrontiert und das ist nicht cool! Offenbar habe ich mir mit Supreme ein Pferd gekauft das mich nun zwingen wird mich meinen Defiziten und Ängsten zu stellen. Er zwingt mich dazu, zu lernen ruhig zu werden und zu führen. Ich muss nun üben dem Pferd Vertrauen zu schenken und darf nicht mehr kopflos ans Tier ran. Ganz ehrlich? Daniela und auch meine neue Parelli-Lehrerin tun mir etwas Leid... die wissen noch nicht auf was sie sich mit mir eingelassen haben. Alter Angsthase der ich bin. Ich freue mich aber auf das neue, unbekannte Land „Parelli“. Ich freue mich darauf dazu zu lernen und mein Verständnis für das Tier Pferd zu erweitern.

 

Es versetzt mich immer wieder in Erstaunen wie sehr sich die Reiter-/Pferdewelt in den letzten 30 Jahren verändert hat. Zu Beginn meiner Reitkariere, als 11 jähriges Mädel, war Bodenarbeit noch total unbekannt. Das höchste der Gefühle war das korrekte Führen des Pferdes am Zügel nach den Lehren der englischen Reitweise. Kein Wort wurde darüber verloren warum der Kopf des Pferdes auf Schulterhöhe zu sein hatte. Keine Erklärungen gab es dafür warum der Strick so gehalten werden sollte wie er musste. Longieren war nur zur Bewegung des Pferdes gedacht wenn der Reiter keine Zeit hatte und ein „Roundpen“ gab es ausschliesslich in Amerika bei den Rodeo-Reitern.

 

Für uns Mädchen war die Wendy-Welt in Ordnung wenn wir nicht kopfüber vom buckelnden Pferd stürzten und wir bildeten uns ein, dass das liebe Schulpferd nur auf uns gewartet und uns am aller-aller-liebsten hatte auf der ganzen Welt. Wir waren eine Stunde zu früh im Stall um die Pferde noch putzen zu dürfen, die Hufe auszukratzen und den Stall zu misten. Alles ganz freiwillig und mit dem Gefühl privilegiert zu sein weil wir das durften. Danach ging es dann für 50 Minuten in die (natürlich im Abo bezahlte) Reitstunde in der Gruppe. Ausreiten war nur was für Fortgeschrittene und wenn dann mal eine Kollegin eine Reitbeteiligung auf einem PRIVAT-Pferd bekam, war ihr der Neid von uns Anderen gewiss.

 

Später flitzten wir auf unseren eigenen RB’s durch die Wälder und erlebten in unserer Fantasie so manches Abenteuer und Märchen. Das Pflegepferd mochte uns natürlich viel lieber als seine Besitzerin. Die harte Landung kam dann spätestens mit dem Kauf des ersten eigenen Pferdes. Bei diesem war dann keine Besitzerin mehr da die das Tier korrekt geritten hat und auf seine Manieren achtete. Auch kein Stallbesitzer war zur Stelle welcher den Korrekturberitt durchführte. Nach anfänglicher Euphorie musste man feststellen dass das liebe, schöne, tolle schwarze Traumpferd sich zum gefährlichen Mustang entwickelt hat welcher jeden Reiter in unter 10 Sekunden in den Sand befördert.

 

Dank dem finanziellen Zustupf der Familie konnte man sich jedoch einen tollen Privatlehrer leisten und so wurde innert zwei Jahren aus dem wilden Mustang ein tolles Reitpferd und aus der verträumte „auf dem Pferd-Sitzerin“ eine richtige Reiterin. Dank Frank Bebié (er möge in Frieden Ruhen) lernte ich so zum ersten Mal was es heisst wirklich eins zu sein mit dem Pferd. Ich lernte locker und leicht zu reiten. Barock wie es damals vor 20 Jahren hiess oder „spanisch“. Nur max. 100g auf dem Zügel, das Bein ganz ruhig und leicht am Pferd. Ohne Anstrengung und ohne Angst die lockere Bewegung des Tieres zu spüren und zu wissen, dass man nur an eine Figur denken muss und schon wird sie vom Pferd ausgeführt. Diese feinen Verbindungen zwischen Mensch und Tier, dieses tiefe Verständnis welches nach vielen Jahren entsteht, das totale Vertrauen ist etwas was man nur ganz, ganz selten erleben darf. Longieren wurde zur richtigen Arbeit zum Wohle des Pferdes. Ich lernte die verschiedenen Einwirkungen der Zäumungen kennen. Endlich suchte ich mir das Material für das Pferd nicht mehr nach seinem Aussehen aus, sondern danach was für mein Tier am besten war. Ich verdiente mir die Sporen und das im wahrsten Sinne des Wortes. Irgendwann war es nötig noch feinere, noch divisiblere Hilfen geben zu können. Irgendwann war der Absatz nicht mehr klar und fein genug und ich lernte richtig mit Sporen zu reiten.  Nie zum Treiben, nie mit Druck sondern nur weil wir beide gelernt hatten dass die Berührung 2cm weiter oben etwas anderes bedeutet als 2cm weiter unten. Die Peitsche ist mittels antippen zur Aktivierung gedacht.

 

Ich dachte, ich hätte nun meinen Weg gefunden. Dass ich jetzt nach 30 Jahren also nochmals ein Umdenken erlebe, dass ich nochmals eine ganz neue Welt kennen lernen darf, hätte ich nie für möglich gehalten. Ich bemühe mich trotz der vielen Rückschläge, der harten Landungen auf dem Boden der Tatsachen, mir ein kleines Stück der alten heilen Wendy-Welt zu bewahren. Ich erinnere mich an das Gefühl der Verbundenheit welches ich bereits erleben durfte und auch an das unendliche Vertrauen das mir Drifter geschenkt hatte. Das alles habe ich im Blick und das sind auch die Ziele welche ich mit Supreme habe. Ich möchte mit ihm auch an diesen Punkt kommen wo ich mit meinen ersten Pferden war. Dafür lohnt es sich die eigenen Ängste zu überwinden.

 

 

 

 

Das erste Mal eine Schabracke drauf! Ich bin sooooo stolz auf Supreme!!

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Kommentare: 4
  • #1

    Domi (Donnerstag, 31 März 2016 13:33)

    Man lernt nie aus! Ah und Sandra, man bekommt nicht das Pferd wo man will... sondern das Pferd welches man braucht;-)
    Ich hoffe du kommst mal Aries reiten in meiner Babypause, er ist ja nach Parelli ausgebildet;-)

  • #2

    Sandra (Donnerstag, 31 März 2016 13:50)

    Sehr gerne sogar! Aber erst nachdem ich ein paar Lektionen hatte :-) Ich bin reittechnisch noch auf meinen Drifter eingestellt: Er macht alles von alleine, ich kann mich immer zu 100% sicher fühlen :-) Da wäre ich mit deinem Sohnemann wohl etwas überfordert.

  • #3

    Fallon Alcina (Mittwoch, 01 Februar 2017 22:33)


    Hi there, all is going sound here and ofcourse every one is sharing data, that's truly excellent, keep up writing.

  • #4

    Rebbecca Titcomb (Montag, 06 Februar 2017 00:23)


    Thanks for sharing your thoughts about %meta_keyword%. Regards